Grüner Tee aus China
Die Chinesen waren auf diesem Gebiet besonders einfallsreich. Sie probierten die unterschiedlichsten Herstellungsmethoden aus, kreierten Hunderte von Sorten und sind bis heute die unangefochtene Nummer Eins in der Grünteeproduktion. Ob zu Pulver gemahlen, zu Ziegeln gepresst, zu Blütenformen zusammengebunden oder zu Kügelchen gedreht – all das haben wir der Kreativität der Chinesen zu verdanken.
Kaiserliche Tradition
Die enorm hohe Qualität der chinesischen Tees lässt sich sehr weit
zurückverfolgen. Zu Zeiten des Kaisers wurde eine besondere Erntemethode
praktiziert, die kaiserliche Pflückung. Es sollte sicher gestellt sein,
dass der kaiserliche Tee bis zu seinem Genuss absolut unberührt bliebe.
Dazu durften nur Jungfrauen mit goldenen Scheren und Handschuhen die
Blattknospen abschneiden.
Diese kaiserliche Pflückung ist bis
heute noch wohl bekannt. Die Ernte der heutigen Spitzentees, die nur einmal
im Jahr stattfindet und bei der nur die Knospen und das erste Blatt gepflückt
werden, wird immer noch als „kaiserliche Pflückung“ bezeichnet.
Phantastische Sortenvielfalt
Bis heute ist keine genaue Anzahl der vorhandenen Grünteesorten bekannt. Es
gibt Quellen, die besagen, dass es sich um mehrere Hundert handelt. Es
wurden sogar einmal 8.000 verschiedene Sorten erwähnt. Wie viele es
letztendlich heute wirklich sind, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.
Grünteeliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Auswahl reicht von
blumig-fruchtigem Tee über Rauchigen bis hin zu edelstem grünem Tee. Die
Sorten variieren nicht nur von Provinz zu Provinz, sondern teilweise sogar
zwischen benachbarten Plantagen. Grund hierfür sind oftmals
unterschiedliche Bodenverhältnisse und in den verschiedenen Gebieten
natürlich auch die klimatischen Bedingungen. Außerdem spielen auch
unterschiedliche Produktionsmethoden eine entscheidende Rolle.
Eine Besonderheit ist sicherlich auch die poetische Namensgebung. Häufig
wurden Sagengestalten, Blumen oder auch Gottheiten bei der Namensgebung
verwendet.
Gibt es trotz der vielen Sorten auch Gemeinsamkeiten?
Gemeinsamkeiten im Geschmack sind sicherlich eher selten bei den chinesischen Grüntees. Da gibt es zwar das typisch chinesische, rauchige Aroma, das aber auch nicht alle chinesischen Sorten besitzen. Wer allerdings die Färbung der Tasse genau beobachtet, wird schnell feststellen, dass die chinesischen Grüntees alle ein helleres Grün haben als die Japanischen. Die Färbung der Tasse geht eher ins Gelb als ins Grün.
Chinesische Teeanbaugebiete
In China wird auf insgesamt 1,2 Millionen Hektar Tee angebaut, größtenteils
in großer Höhe. Dies bietet den Vorteil, dass regenarme Zeiten durch den
dort vorhandenen Nebel praktisch ausgeglichen werden und die Teepflanzen
so trotzdem ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden. Die
Teeanbaugebiete befinden sich in 17 chinesischen Provinzen, vorwiegend
im Süden des Landes.
Besonders bekannte Teeprovinzen sind sicherlich das
Yunnan-Guizhou-Plateau, von dem der „Yunnan-Tee“ stammt, Fujian, die
Heimat des Oolong und Jiangxi mit seiner Spezialität, dem grünen Tee mit
Orchideenaroma. Außergewöhnlich ist auch die Insel Hainan, auf der, wegen
des wärmeren Klimas, eine ganzjährige Ernte möglich ist. Hier entdeckte
man, dass Kautschukbäume, die als Schattenspender angepflanzt worden
waren, zu einer Ertragssteigerung beitragen. Außerdem sorgen diese
dafür, dass in ihrem Schatten ein Tee mit besonders mildem Aroma
heranwächst.
An jeder einzelnen Sorte lässt sich erkennen, mit wie viel Liebe der Tee in China angebaut und verarbeitet wird. Viele Sorten werden in acht verschiedenen Qualitätsabstufungen gehandelt. Um diese zu unterscheiden, sind die Teesorten neben ihrem Namen auch mit einer Nummer versehen. So kann der Verkäufer schon an dieser Nummer den genauen Standard der Teesorte erkennen.
